Tuesday 19. October 2021
#181 - April 2015

 

Klimawandel: neue Lebensweisen als Lösung

 

Wie Nero, der auf seiner Geige spielte, als Rom in Flammen stand, verschließen die meisten Politiker die Augen vor der Krise und machen weiter wie zuvor.


Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Thema Klimawandel nicht für Schlagzeilen sorgt. Das große Ereignis des Jahres ist die für Anfang Dezember geplante Klimaschutzkonferenz (COP21) in Paris; der eigentliche Grund dafür, dass das Thema ganz oben auf der Tagesordnung bleibt, ist aber in der Tatsache zu suchen, dass den meisten Menschen zwar intuitiv klar ist, dass dringender Handlungsbedarf besteht, die wenigsten jedoch bereit sind, selbst konkret tätig zu werden.

 

Da gibt es diejenigen unter uns, die alle Jahre wieder am Aschermittwoch tapfer die Fastenzeit in Angriff nehmen. Aber selbst wenn es uns gelingt, eine vierzigtägige Dosis spirituell motivierter Selbstkasteiung zu überstehen, widerstehen anschließend die wenigsten von uns der Versuchung, am Ostersonntag den Gürtel wieder zu lockern. Die gelassene Disziplin der Osterzeit schwindet in den darauffolgenden 46 Wochen dahin, bis uns pünktlich am Aschermittwoch des  darauffolgenden Jahres erneut der Ruf der Fastenzeit aus unserer Lethargie schreckt. In gleicher Weise reagieren wir auf die Problematik des Klimawandels.

 

Nahezu zehn Jahre ist es her, dass es Al Gore gelang, uns mit seinem dramatischen Dokumentarfilm An Inconvenient Truth (Eine unbequeme Wahrheit) wachzurütteln und uns für die Problematik des Klimawandels zu sensibilisieren. Zur gleichen Zeit legte uns Nicholas Stern in der kalten und analytischen Sprache der Wissenschaft Zahlen über die Auswirkungen eines ungebremsten Klimawandels auf die Weltwirtschaft vor, welche umgehend von anderen Experten als „äußerst fehlerhaft“ zurückgewiesen wurden. Auch die COMECE veröffentlichte 2008 ein Reflexionsdokument, in dem sie betonte, der Schlüssel zur Lösung der Klimaproblematik  liege in einer Änderung der Lebensweisen. Wir sind uns jedoch dessen bewusst, dass wir trotz der wissenschaftlichen Beweise die Problematik des Klimawandels nur vor uns herschieben.

 

Wie Nero, der auf seiner Geige spielte, als Rom in Flammen stand, verschließen die meisten Politiker die Augen vor der Krise und machen weiter wie zuvor. Die viel gepriesenen Versuche, sich in Kopenhagen und Lima auf konkrete Grenzwerte zu einigen, blieben weit hinter den Erwartungen zurück, mit der Folge, dass bei der COP21 in Paris nun noch mehr auf dem Spiel steht.

 

Wie sieht die Situation aus Sicht des einfachen Bürgers aus? Ein Frühlingsspaziergang in den Ardennen Mitte März unter stahlblauem Himmel, der vor Kondensstreifen der zahllosen Düsenjets nur so wimmelt, lässt darauf schließen, dass die Prognosen, denen zufolge der Luftverkehr bis 2030 um 100 % zunehmen soll, durchaus der Wahrheit entsprechen. Wenige Tage nach meiner Wanderung durch die belgische Vennlandschaft wurde die Britannia, das neue Kreuzfahrtschiff der britischen Reederei P&O, welches 3600 Passagiere und 1350 Crewmitglieder befördern kann, von Ihrer Majestät Königin Elizabeth II. getauft. Forschungsergebnisse belegen, dass Ozeandampfer und Containerschiffe noch umweltschädlicher sind als Flugzeuge. Wir alle sind uns dessen bewusst, unser Verstand sagt uns, dass es so ist, und dennoch buchen wir munter weiter Kreuzfahrten oder klicken auf die Website von RYANAIR.

 

Mäßigung ist eine der vier natürlichen Tugenden. Die Fastenzeit, der Ramadan und Yom Kippur lehren die abrahamitischen Religionen, wie wohltuend der gesunde Umgang mit Körper und Geist ist. Mäßigung als Faustregel dafür, wie wir unseren Planeten behandeln, kann in die Debatte über die COP21 einfließen, genauso wie mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen ist, dass wenn Papst Franziskus in seiner mit Spannung erwarteten Enzyklika das Thema des verantwortungsbewussten Umgangs mit der Schöpfung ansprechen wird, er seinen Pileolus im Gedenken an Thomas von Aquin ablegen und in der Sprache sprechen wird, die wir alle verstehen, dass er uns an eine Wahrheit über uns selbst und unsere Beziehung zur Erde erinnern wird, derer wir uns alle tief in unserem Herzen bewusst sind, dass er uns dazu ermutigen wird, unser moralisches Rückgrat, das wir alle von Geburt an haben, stärker zu nutzen und etwas gegen den Klimawandel zu tun.

 

Es gibt die einfachen Dinge, die wir tun können: mit dem Bus fahren, das Fahrrad aus dem Keller holen, den alten Pullover ein Jahr länger tragen, E-Mails auf dem Bildschirm lesen, anstatt sie auszudrucken. Es gibt so viele kleine Dinge, die dazu beitragen können, einer Entwicklung entgegenzusteuern, von der wir alle wissen, dass sie in die falsche Richtung geht. Es gibt aber auch die schwierigeren Entscheidungen, wie von der COMECE vor sieben Jahren empfohlen und in ihrem Dokument, dessen kraftvolle Botschaft auch heute noch Bestand hat, detailliert aufgeführt.

 

Eine der Empfehlungen, die besonders zum Ende der Fastenzeit 2015 erwähnenswert erscheint, lautet: Wir sollten uns auf die spirituellen Werte als Quelle des Glücks rückbesinnen und dem Geltungskonsum den Rücken kehren. Unser aller Herausforderung besteht darin, unsere schlechten Angewohnheiten , die das Problem verschärfen, abzulegen (die Lehren der Fastenzeit über die Karwoche hinauszutragen) und gute Gepflogenheiten zu entwickeln, die dazu beitragen werden, das Problem zu lösen.

 

Patrick H. Daly

COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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