Montag 10. Dezember 2018
#221 - Dezember 2018

Jugendsynode: Was bringt sie den jungen Menschen in Europa?

Annelien Boone ist Leiterin der Jugendseelsorge in Flandern und hat die Jugendlichen aus ganz Belgien bei der Jugendsynode in Rom vertreten. Sie berichtet von der Synode und fragt, was diese für die jungen Menschen in Europa bedeutet.

Im Oktober 2018 fand in Rom eine Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ statt. Bereits im März 2018 hatte es hierzu in Rom eine Vorsynode gegeben. Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Synode, hatte erklärt: „Dies ist eine Veranstaltung, bei der die jungen Menschen die Akteure und Protagonisten sind. Wir sprechen nicht über die jungen Menschen, sondern mit ihnen.“ Die Vorsynode war eine hervorragende Gelegenheit für die jungen Menschen, sich zu äußern und zu sagen, was ihre Bedürfnisse und Erwartungen im Leben sind. Sie bildete eine solide Grundlage für die nachfolgende Oktober-Synode. Nach diesen beiden „großen Schritten“ in der Diskussion über Jugend und Kirche ist es nun wichtig, darüber nachzudenken, was das für junge Menschen in Europa bedeutet. Denn diese Synode ist nicht das Ende, sondern nur ein Schritt in einem Prozess, in dem wir uns weiterhin Gedanken über dieses große Thema machen müssen.

 

Das Verhältnis der Jugend zur Institution Kirche

 

Beim Thema Jugend in Europa kommt es darauf an, von der heutigen Realität auszugehen. Eine aktuelle Studie zur Generation What mit mehr als einer Million Jugendlichen aus 35 Ländern im Alter von 18 bis 34 Jahren erstellt ein Selbstporträt junger Menschen. Themen, Probleme und Wünsche, die die jungen Europäerinnen und Europäer bewegen, werden in dieser Studie aufgezeigt. Im Zusammenhang mit der Synode sind die Fragen zum Thema Religion besonders interessant. Auf die Frage etwa, ob die jungen Menschen auch ohne religiöse Überzeugung glücklich sein können, antworteten 84 % mit Ja. Laut der Studie sind Beziehungen, Kinder, Liebe und Sex ohnehin viel entscheidender für das Glück der Befragten als religiöse Überzeugung. Darüber hinaus zeigt die Studie bei der Bewertung von Institutionen, dass die jungen Menschen wenig Vertrauen in Institutionen, insbesondere in religiöse Institutionen haben (49 % geben an, dass sie ihnen nicht vertrauen).

 

Offen für Religion

 

Wir stellen heute eine Säkularisierung unserer Gesellschaft fest. Es ist offensichtlich, dass die Jugend nicht mehr mit der Kirche aufwächst. Kardinal Jozef De Kesel, Erzbischof von Mecheln-Brüssel, erklärte hierzu unlängst: „Die Kirche ist nicht mehr so groß wie vor einem halben Jahrhundert. Aber das bedeutet nicht, dass sie stirbt. Es bedeutet nur, dass sich ihre soziale Stellung geändert hat. Es wird eine kleinere Kirche sein, aber sie wird authentisch sein“. Die Tatsache, dass junge Menschen nicht in einem religiösen Kontext aufwachsen, bietet neue Möglichkeiten. Sie sind sehr offen für den Glauben, sie begegnen ihm unvoreingenommen und mit großer Aufgeschlossenheit, einfach, weil sie wenig darüber wissen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Vorurteile gegenüber der Kirche haben, die in unserer Gesellschaft noch durchaus präsent sind. Nur wenn sie konkrete und positive Erfahrungen in der Kirche sammeln können, kann dieses Bild korrigiert werden. Der Glaube an Gott ist ihnen fremd. Man könnte sagen: „Das Unbekannte ist ungeliebt, der Glaube ist wie ein ausgepacktes Geschenk“. Wir leben in einer Gesellschaft, in der der christliche Glaube unbekannt ist. Die Herausforderung besteht darin, die jungen Menschen etwas entdecken zu lassen, damit der christliche Glaube sie überraschen kann.

 

Nach dieser Synode ist noch deutlicher geworden, dass es Aufgabe der Kirche ist, junge Menschen zu begleiten und zu führen, und zwar so, wie wir es in der Emmausgeschichte lesen. Nur wenn die Kirche zuhört und begleitet, kann sie den jungen Menschen helfen, sich aus der Fülle der Möglichkeiten, mit denen sie heute konfrontiert sind, zu wählen, und ihnen damit dazu verhelfen, freudige Erfahrungen zu machen und Christus zu begegnen. 

 

Die jungen Menschen suchen nach Orten, an denen sie sich willkommen fühlen, an denen sie sich wohlfühlen, an denen es „Bezugspunkte“ gibt. „Deshalb ist es wichtig, lebendige christliche Gemeinschaften zu bilden, in denen sich auch junge Menschen willkommen fühlen können. In diesem Sinne ist es auch wichtig, dass es Christen gibt, die ihren Glauben bezeugen und für die Jugendlichen da sind. Es ist wichtig, dass die Kirche den jungen Menschen Erfahrungen anbietet. Um es mit den Worten von Papst Benedikt XVI. zu sagen: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ Erfahrungen wie der Weltjugendtag, Pilgerfahrten, Orte wie Taizé oder Lourdes sind für viele Jugendliche „Momente der Bekehrung“, weil sie erleben, dass sie nicht allein sind, dass es Jemanden gibt, der sie begleitet.

 

Annelien Boone 

Leiterin der Jugendseelsorge in Flandern

 

Originalfassung des Artikels: Französisch

 

 

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