Sonntag 22. Oktober 2017
#189 - Januar 2016

Der Vertrag von Paris: ein historischer Moment für die Menschheit

Für viele, die an den Klimaschutzverhandlungen beteiligt waren, war die Konferenz von Paris ein historischer Moment.

Der Vertrag von Paris ist ein äußerst vielschichtiges und komplexes Rahmenwerk. Er enthält Verpflichtungen zur Verringerung bzw. Vermeidung von Treibhausgasen in den Industrieunternehmen, Verkehrsmitteln und Häusern des 21. Jahrhunderts. Des Weiteren sieht er die Einrichtung eines allgemeinen Klimaschutzfonds vor, in den jedes Jahr 100 Milliarden US-Dollar eingezahlt werden sollen, um den armen Ländern zu helfen, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Und schließlich haben sich die reichen Länder dazu verpflichtet, den armen Ländern Zugang zu sauberen, nicht-fossilen Energietechnologien zu gewährleisten.

 

Weitreichende Kompromisse

Gegen Ende der zweiten Verhandlungswoche wurde deutlich, dass kein Land alle seine Wünsche würde durchsetzen können. Vielmehr waren weitreichende Kompromisse erforderlich. Besondere Anerkennung verdienen in diesem Zusammenhang der französische Außenminister Laurent Fabius und die französischen Diplomaten. Seit der COP20 in Lima im Dezember 2014 hatten sie sich in jedem einzelnen Land für die Erreichung eines Abkommens eingesetzt. Sie stellten zunächst einmal sicher, dass die drei größten Umweltverschmutzer, die Vereinigten Staaten, China und Indien, das Abkommen unterzeichnen würden. Während der abschließenden Verhandlungen arbeiteten die französischen Unterhändler unermüdlich daran, Kompromisse zu erzielen. Das Essen war gut und als Beitrag zur Müllvermeidung erhielt jeder Teilnehmer eine wiederverwendbare Wasserflasche zum Auffüllen an einem Wasserspender.

 

Viele von uns, die an früheren Klimaschutzkonferenzen teilgenommen haben, vor allem an der gescheiterten COP15 in Kopenhagen im Jahre 2009, erinnern sich noch an ihre Enttäuschung und ihren Ärger, als es nach zwei Verhandlungswochen nicht gelang, ein tragfähiges Abkommen zu erzielen.

 

Bei den meisten Klimaschutzkonferenzen, an denen ich in den letzten zehn Jahren teilgenommen habe, war die katholische Kirche kaum sichtbar. Bei der COP21 in Paris dagegen war der Nachhall der eindringlichen Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus deutlich zu vernehmen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson, sagte während des UN-Klimaschutzgipfels in Paris: „Weder dürfen wir die Augen vor den schweren Schäden verschließen, die wir unserem Planten zugefügt haben, noch können wir gleichgültig bleiben angesichts des Leidens der Millionen, die die schwerste Last dieser Zerstörung tragen“.

 

Als Zeichen seines eigenen Engagements für ein Abkommen in Paris, sandte Papst Franziskus ein Paar schwarze Schuhe nach Paris, die gemeinsam mit Tausenden anderen Schuhen zu Beginn der Pariser Konferenz auf dem Place der la République aufgestellt wurden, als Symbol für die vielen Demonstranten, die an ihrem Protestmarsch gehindert worden waren.

 

Ein beachtliches Ergebnis

Bei der COP21 in Paris wurden wesentliche Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel erzielt. Der Klimaforscher John Sweeney, emeritierter Professor für Geographie an der Universität Maynooth im irischen Kildare, sieht in dem 31 Seiten umfassenden Klimaschutzabkommen von Paris einen „Fahrplan für die Bekämpfung der gravierendsten Auswirkungen des globalen Klimawandels“. Für 195 Länder – nahezu die gesamte Weltgemeinschaft – , so Sweeney, wurde der Weg zu globaler Nachhaltigkeit geebnet, ein Schritt, aus dem die gegenwärtigen und zukünftigen Bewohner der Erde die Hoffnung schöpfen können, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel aufzuhalten ist.

Für den britischen Ökonomen Lord Nicholas Stern, der sich seit Jahren mit den wirtschaftlichen Aspekten des Klimawandels auseinandersetzt, stellt der Pariser Vertrag einen „Wendepunkt im weltweiten Kampf gegen den unaufhaltsamen Klimawandel dar, der den Wohlstand bedroht“. Dieser Vertrag, so Stern, berge enorme Chancen, jetzt, wo die Länder beginnen, sich verstärkt auf den Weg hin zu einem emissionsarmen Wirtschaftswachstum und einer umweltfreundlichen Entwicklung zu machen.

 

Es gibt noch viel zu tun

Gemäß der Vereinbarung zur CO2-Senkung, auf die sich die einzelnen Länder geeinigt hatten, bevor sie nach Paris kamen, würde es zu einem Anstieg der globalen Erdtemperaturen um 3,7° C und nicht um 2° C kommen. Insofern bedarf es hier noch weiterer gewaltiger Anstrengungen. Das Pariser Abkommen fordert die Länder auf, dafür zu sorgen, dass die globalen Treibhausgasemissionen ihren Höchststand so rasch wie möglich erreichen. Noch herrscht aber eine gewisse Unklarheit darüber, was genau dies bedeutet.

 

Bedauerlicherweise sind Flugbenzin und Bunkerkraftstoff für Schiffe nicht Teil des Abkommens. Dabei sind diese beiden Kraftstoffe für CO2-Emissionen in Höhe derer von ganz Deutschland und Südkorea zusammen und damit für über sieben Prozent der weltweiten Treibhausgasausstöße verantwortlich. Sie müssen bei der COP22, die vom 7. bis 18. November 2016 in Marokko stattfinden wird, unbedingt in den Text aufgenommen werden.

 

Auch wird deutlich, dass die Menschenrechte nicht immer angemessen berücksichtigt werden, ein Versäumnis im Vertragsentwurf, der bezeichnenderweise just am UN-Menschenrechtstag veröffentlicht wurde. Des Weiteren wird nicht ausreichend darauf hingewiesen, dass der Klimawandel das Leben vieler Frauen auf der Welt entscheidend beeinträchtigt, vor allem derer, die in ärmeren Ländern leben.

 

Trotz erheblicher Versäumnisse zeigt das Pariser Abkommen aber, dass es, wenn alle zusammenarbeiten, gelingen kann, sowohl die Menschheit als auch den Planeten auf einen sicheren Weg in die Zukunft zu führen.

 

Fr. Sean McDonagh, SSC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

 

 

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