Dienstag 26. September 2017
#182 - May 2015

 

Initiativen katholischer Organisationen zur Bekämpfung des Klimawandels

 

In diesem Artikel stellen wir Ihnen konkrete Initiativen vor, die von christlichen Organisationen im Rahmen der Anfang Dezember 2015 in Paris geplanten Klimaschutzkonferenz (COP21) initiiert werden, mit dem Ziel, die Staats- und Regierungschefs dazu zu bewegen, im Kampf gegen den Klimawandel verbindliche Verpflichtungen einzugehen.

 

Die CIDSE ist ein internationaler Verband, dem 17 katholische Entwicklungsorganisationen angehören, die sich gemeinsam für globale Gerechtigkeit einsetzen. Caritas Internationalis ist ein Netzwerk bestehend aus 165 Organisationen, das sich einer Welt des Friedens, der Solidarität und der Gerechtigkeit verschrieben hat. Es unterstützt Opfer von Krieg, Naturkatastrophen und Armut sowie Migranten. Im November 2014 haben die CIDSE und Caritas Internationalis die gemeinsame Erklärung: „Katholische internationale Organisationen stellen sich den Herausforderungen des Klimawandels“ herausgegeben. Mit dieser Erklärung richten sie einen eindringlichen Appell an die Regierungen und internationalen Organisationen, umgehend und konsequent auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren.

 

Das Papier ist in vier Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt wird unterstrichen, dass 2015 das entscheidende Jahr ist, in dem verbindliche Verpflichtungen zum Wohle der zukünftigen Generationen eingegangen werden müssen. Diese Verpflichtungen sollten folgende Elemente umfassen: a) ein umfassendes und verbindliches Abkommen unter Federführung der im Dezember 2015 in Paris stattfindenden Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC); b) ehrgeizige Verpflichtungen seitens der Industrieländer, damit diese ihre CO2-Emissionen bis zum Jahre 2020 um 25 % bis 40 % reduzieren, wodurch sich die globale Erderwärmung mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit unter dem kritischen Wert von 2° C halten ließe; c) ein neues Abkommen mit Blick auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDG) nach 2015, mit besonderem Schwerpunkt auf der Armutsbekämpfung sowie der Förderung von nachhaltiger Entwicklung, was auch konsequente Maßnahmen gegen den Klimawandel umfasst und d) Kohärenz zwischen den Klimaschutzmaßnahmen und der Katastrophenrisikominderung. Die CIDSE und Caritas Internationalis verweisen auf die Notwendigkeit, ausreichende Mittel für die nachhaltige Entwicklung zur Verfügung zu stellen und entsprechend zusammenzuarbeiten.

 

Der zweite Abschnitt betont die Verwundbarkeit der Armen angesichts des Klimawandels. Die Schlussfolgerung der Analyse lautet: Hauptursache des Klimawandels ist das auf Wirtschaftswachstum basierende Entwicklungsmodell, das in erster Linie auf den Verbrauch fossiler Energieträger setzt. In Abschnitt drei verweisen die Autoren auf mehrere Grundsätze der Katholischen Soziallehre, die für diese Debatte von Bedeutung sind: eine sakramentale Sicht auf das Universum; die konsequente Achtung des menschlichen Lebens bzw. der gesamten Schöpfung; ein Weltbild, das die ethische Bedeutung der globalen Interdependenz und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt rückt; eine Ethik der Solidarität, die sich für Zusammenarbeit und eine gerechte Verteilung der Güter dieser Welt einsetzt; ein Verständnis für den universellen Nutzen geschaffener Dinge, das eine gleichberechtigte Nutzung der Ressourcen unseres Planeten voraussetzt; Chancen für die Armen sowie die Förderung authentischer Entwicklung, die den Weg zu einem Fortschritt weist, der die Würde des Menschen und die Grenzen des materiellen Wachstums achtet. Abschnitt vier beschreibt die Dringlichkeit der Lage und die Chancen, die sich durch die im Jahre 2015 ergriffenen Maßnahmen ergeben.

 

Konkrete, von christlichen Organisationen initiierte Aktionen

Zahlreiche von christlichen Gruppen geförderte Initiativen sollen in Kürze starten. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Fragen der COP21 zu schärfen. In diesem Artikel stellen wir zwei Initiativen vor, die sich durch besondere Kreativität auszeichnen und gleichzeitig eine religiöse Komponente umfassen: Fasten und Pilgern.

 

Fasten für das Klima

„Fasten für das Klima“ ist eine Initiative, die Menschen aus insgesamt 18 Organisationen und Netzwerken, darunter Glaubensgemeinschaften, Jugendgruppen und Umweltaktivisten zusammenbringt. Einmal im Monat fasten die Teilnehmer, um ihre Solidarität mit den Opfern des Klimawandels zum Ausdruck zu bringen. Mit ihrer Aktion wollen sie zeigen, dass sie ihre Verpflichtungen ernst nehmen. Zudem rufen sie die Staats- und Regierungschefs auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann sich auf der Webseite Fasten für das Klima anmelden.

 

Die Kampagne geht auf die Initiative des philippinischen Abgeordneten Yeb Sano zurück, der kurz nach der Zerstörung seines Landes durch den Taifun Haiyan im November 2013 an der UN-Klimaschutzkonferenz in Warschau (COP19) teilnahm. Während der Konferenz rief er zu einer Fastenaktion als Zeichen der Solidarität mit seinem Land auf. Daraus entstand eine Initiative, die in der Folge durch den Lutherischen Weltbund (LWB) aufgegriffen und weiterverfolgt wurde.

 

Es gibt unterschiedliche Arten zu fasten bzw. freiwillig auf etwas zu verzichten: So kann man beispielsweise auf Essen verzichten, den Verbrauch und die Erzeugung von CO2 reduzieren oder die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden. Auf der o. g. Webseite haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich über ihre Art des Fastens auszutauschen.

 

Pilgerweg für Klimagerechtigkeit und Frieden

Der Pilgerweg für Klimagerechtigkeit und Frieden ist eine bereits laufende Kampagne, an der u. a. europäische und afrikanische Gruppen mitwirken, die ihre Solidarität mit den Opfern des Klimawandels zum Ausdruck bringen möchten. Mobilisiert werden die Teilnehmer durch christliche Organisationen, die im Weltkirchenrat (WKR) vertreten sind. Dieser fordert die Staats- und Regierungschefs auf, bei der COP21 ein rechtsverbindliches Abkommen zu erarbeiten.

Zoé Van Obberghen

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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Die Kommission wird die Überprüfung der Arbeitsbezogenen und Sozialen Entwicklungen in Europa für das Jahr 2017 vorstellen. Dieses Jahr wird sie sich auf inter-generationelle Fairness konzentrieren.
 
> 24. Juli
Der Rat “Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN)” wird die Wirtschafts- und Finanzminister aus allen EU-Mitgliedstaaten versammeln, um EU-Wirtschaftspolitik, Steuerfragen und die Regulierung der Finanzdienstleistungen zu überprüfen.
 
> 17. - 18. Juli
Der Rat “Landwirtschaft und Fischerei” wird sich in Brüssel treffen. Die jeweils zuständigen Minister der Mitgliedstaaten werden Themen im Bereich der Landwirtschaft und Fischerei diskutieren, wie Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierschutz und Pflanzengesundheit.
 
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