Samstag 18. November 2017
#180 - March 2015

 

Klimaschutz oder wie sich die Auswirkungen des Klimawandels begrenzen lassen

 

2013 verkündete die Europäische Umweltagentur (EUA), Europa habe seine Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) gegenüber dem Stand von 1990 bereits um 19 % gesenkt. Diese Entwicklung ist aber in erster Linie auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen.


Zur Bekämpfung des Klimawandels bieten sich zwei Strategien an: Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen. Die erste Strategie besteht darin, die Auswirkungen des Klimawandels durch eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen abzufedern, die zweite darin, die Auswirkungen der globalen Erderwärmung (Dürren, Hochwasser, Engpässe bei der Trinkwasserversorgung etc.) auf dem Wege der Anpassung unserer Gesellschaften an die neuen Umweltbedingungen zu bekämpfen. Die beiden Strategien ergänzen sich: Sie sehen Klimaschutzmaßnahmen zur Reduzierung der Auswirkungen des Klimawandels vor, an die wir uns unweigerlich werden anpassen müssen.

 

Die Strategien zielen darauf ab, die globale Erderwärmung bis zum Jahre 2100 auf unter 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Wird dieser Wert überschritten, ist mit gefährlichem und irreversiblem Klimawandel zu rechnen. In diesem Artikel möchten wir unseren Lesern einige der wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen vorstellen.

 

Reduzierung der THG-Emissionen

Grundlage für die Klimaschutzmaßnahmen ist das 1997 unterzeichnete und 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll. Derzeit befindet sich das Kyoto-Protokoll in seiner zweiten Phase (2013-2020). Die für Dezember 2015 in Paris geplante nächste UN-Klimaschutzkonferenz (COP21) wird für die Erneuerung des Kyoto-Protokolls eine wichtige Rolle spielen.

 

In ihrem jüngsten Rahmen für die Klima- und Energiepolitik schlägt die Europäische Kommission vor, die Emissionen bis 2030 gegenüber denen von 1990 um 32 % zu senken. Langfristiges Ziel ist es, die Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 % bis 95 % zu senken.

 

Je nach dem geschichtlichen Hintergrund, der spezifischen Situation und der wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen EU-Mitgliedstaaten variieren diese Ziele stark von einem Land zum anderen. So hat sich Schweden beispielsweise das äußerst ehrgeizige Ziel einer Reduzierung der THG-Emissionen um 17 % gesetzt, während Rumänien, das derzeit einen wirtschaftlichen Wandel durchläuft, berechtigt ist, seine Emissionen um 19 % zu erhöhen.

 

Das EU-Emissionshandelssystem (EHS)

Das EHS wurde 2005 von der EU ins Leben gerufen. Es stellt den Eckpfeiler der EU-Klimaschutzstrategie dar und besteht im Handel mit Emissionsrechten. Es setzt einen Grenzwert fest, der aus der Gesamtsumme bestimmter von Fabriken, Kraftwerken und anderen emittierenden Anlagen ausgestoßenen Treibhausgasen besteht. Den Unternehmen werden bis zur Höhe dieses Grenzwertes Emissionsrechte zugeteilt, mit denen anschließend „gehandelt“ werden darf, die also verkauft oder bei Bedarf von einem anderen Unternehmen erworben werden können.

 

Am Ende eines jeden Jahres ermittelt das System das Gesamtvolumen der im Vergleich zu den zugeteilten Werten tatsächlich ausgestoßenen Emissionen. Übersteigen diese die erlaubten Werte, werden die Unternehmen sanktioniert, wohingegen sie ungenutzte Emissionsanteile behalten dürfen, um damit ihren künftigen Bedarf zu decken oder sie gewinnbringend zu veräußern.

 

Allerdings ist das Emissionshandelssystem alles andere als effizient. Derzeit liegt der Preis für eine Tonne CO2 bei fünf Euro und damit weit unter den 20 oder 30 Euro, die Analysten zufolge nötig wären, um für die Unternehmen einen echten Anreiz darzustellen, auf umweltfreundlichere Technologien umzustellen, indem sie die zur Deckung ihrer Emissionen zugeteilten Emmissionsrechte verkaufen. Anfänglich wurde die Anzahl der Zertifikate, die den ehemaligen Staaten der Sowjetunion – theoretisch eine Industriemacht, die aber kurze Zeit später zerfiel – im Rahmen des ETS gewährt wurden, zu hoch angesetzt. In der Folge sorgte die Wirtschaftskrise für einen Rückgang der Emissionen, ohne dass es parallel hierzu zu einer Reduzierung der Emissionsrechte kam. Die überschüssigen CO2-Zertifikate haben einen geschätzten Wert von 3,4 Milliarden Euro. Entsprechende Bemühungen, diese zu verringern, blieben bislang erfolglos.

 

Energieeffizienz

Die EU hat diverse Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz verabschiedet. Diese reichen von der Gebäudesanierung über Energie-Audits bis hin zur Produkttransparenz auf dem Markt. Im Oktober 2014 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten bei einem EU-Gipfel zudem darauf, die Energieeffizienz bis 2030 um mindestens 27 % zu erhöhen. Dabei verfolgt jeder EU-Mitgliedstaat sein eigenes Energieeffizienzziel und ist gehalten, alle zwei Jahre seine nationalen Ziele und Aktionspläne offenzulegen.

 

CO2-Abscheidung und -Lagerung

Die CO2-Abscheidung und -Speicherung ist eine Technologie, im Rahmen derer das ausgestoßene CO2 abgeschieden, komprimiert und anschließend an einem geeigneten Standort gespeichert wird. Anschließend wird es in eine unterirdische geologische Formation injiziert. Auf diese Weise wird verhindert, dass es in die Atmosphäre gelangt. 2009 hat die EU eine Richtlinie über die Sicherheit der Speicherstätten verabschiedet. Vorranges Ziel ist es, die Gesundheit und die Umwelt zu schützen und potenzielle Risiken während des Verfahrens zu vermeiden. Die Technologie der CO2-Abscheidung und -Lagerung ist allerdings sehr kostspielig, was ihre Umsetzung erheblich erschwert.

 

Dies waren in Kürze einige der wichtigsten Instrumente, die der EU zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels zur Verfügung stehen. Die Bemühungen der EU zur Reduzierung der THG-Emissionen sind begrüßenswert, doch sollten diejenigen Länder, die eine lange Tradition der Umweltverschmutzung aufweisen, in besonderem Maße zur Verantwortung gezogen werden. Die EU muss sich ihrer historischen Verantwortung stellen. In einem zweiten Schritt muss sie die anderen großen CO2-Emittenten, wie die USA und China, mit ins Boot holen. Diese Krise lässt sich nicht durch die Bemühungen einiger weniger überwinden, unabhängig davon, wie bedeutend diese sind oder waren. Wir stehen vor einer globalen Herausforderung, die nach einer globalen Antwort verlangt.

Zoé Vanobberghen

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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