Montag 29. Mai 2017
#179 - Februar 2015

 

Ausblick auf die COP21: die Auswirkungen des Klimawandels

 

Europeinfos startet eine Reihe von Artikeln zum besseren Verständnis der mit der nächsten UN-Klimaschutzkonferenz  (COP21) verbundenen Themen und der derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen, die der Klimawandel für Europa mit sich bringt.


Am 30. November 2015 beginnt in Paris die nächste UN-Klimaschutzkonferenz, die COP21. Die Erwartungen an diese Konferenz sind hoch: Die Vertragsparteien sind aufgerufen, das Kyoto-Protokoll zu erneuern und damit der internationalen Gemeinschaft wirksame Mechanismen zur Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen an die Hand zu geben. Trotz der hohen Erwartungen wächst die Skepsis mit Blick auf den Ausgang der Konferenz. Seit Kopenhagen ist es den Teilnehmern der UN-Klimaschutzkonferenz (UNCCC) nicht gelungen, sich auf konkrete und wirksame Abkommen zu einigen. Nun, da die Erneuerung des Kyoto-Protokolls unmittelbar bevorsteht, könnten sich die Chancen auf erfolgversprechende Ergebnisse jedoch verbessern.

 

Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht und der Auswirkungen, die ein ehrgeiziges Klimaschutzabkommen auf Europa haben kann, hat Europeinfos beschlossen, eine Reihe von Artikeln zu veröffentlichen, mit denen es die Hintergründe des Klimawandels und die Reaktion Europas auf die damit einhergehenden globalen und regionalen Herausforderungen beleuchten möchte. Ziel dieser Artikel ist es, unsere Leser umfassend zu informieren und ihnen die Bedeutung der UN-Konferenz von Paris vor Augen zu führen.

 

Zum Auftakt dieser Reihe richten wir unser Augenmerk auf die bereits festgestellten Auswirkungen des Klimawandels in Europa sowie auf die Perspektiven für die kommenden Jahre. Diese Informationen basieren auf dem fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaveränderungen (IPCC) mit dessen Auszügen aus dem Bericht der Arbeitsgruppe II, der sich mit den Auswirkungen, Anpassungen und Gefahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Denjenigen, die mit den IPCC-Berichten weniger vertraut sind, sei in Erinnerung gerufen, dass der IPCC selbst keine Forschung betreibt. So gesehen basieren die Erkenntnisse nicht auf Originalbeiträgen des IPCC, wohl aber auf einer vom Ausschuss zusammengetragenen umfassenden Sammlung aller relevanten wissenschaftlichen, technischen und sozio-ökonomischen Veröffentlichungen. Insgesamt nimmt der Bericht Bezug auf über12.000 wissenschaftliche Beiträge.

 

Der in Europa beobachtete Klimawandel sowie die diesbezüglichen Zukunftsprognosen zeigen regional unterschiedliche Veränderungen mit Blick auf Temperaturen und Niederschläge. Insgesamt ist in ganz Europa mit einem Temperaturanstieg zu rechnen; gleichzeitig werden die Niederschläge in den nördlichen Regionen Europas zu- und in den südlichen Regionen abnehmen. Europa wird sich zudem auf deutliche höhere Temperaturextreme, meteorologische Dürren und schwere Niederschläge einstellen müssen.

 

Temperaturanstieg ist nachgewiesen

Die meisten der veröffentlichten Klimastudien gehen von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg zwischen 1° C und 4° C pro Jahrhundert aus. Zu den potenziellen Auswirkungen in Europa im Falle einer hohen globalen Erwärmung (>4° C pro Jahrhundert) liegen bislang nur wenige Daten vor.

 

Die Durchschnittstemperatur in Europa steigt kontinuierlich an, mit regionalen und jahreszeitlich bedingten Unterschieden, wobei der höchste Anstieg in den hohen Breitengraden Nordeuropas zu verzeichnen ist. Seit den 1980er-Jahren sind die Temperaturen über Skandinavien am stärksten gestiegen, vor allem im Winter; dieser Trend ist auf der iberischen Halbinsel vornehmlich im Sommer zu beobachten. Zwischen 2002 und 2011 lag die Durchschnittstemperatur über Land bei 1,3° ± 0,11° C über dem Durchschnitt aus den Jahren 1850 bis 1899. Seit 1950 haben hohe Temperaturextreme (heiße Tage, tropische Nächte und Hitzewellen) an Häufigkeit zugenommen, während niedrige Temperaturextreme (Kältewellen, Frosttage) rückläufig sind. Dabei spiegeln die jüngsten kalten Winter im nördlichen und atlantischen Europa die hohen natürlichen Schwankungen in der Region wider und widersprechen somit nicht der These der allgemeinen Erderwärmung. 2010 erlebte Osteuropa, darunter auch der europäische Teil Russlands, einen extrem heißen Sommer, der die Rekordtemperaturen und das geografische Ausmaß der Hitzewelle von 2003 noch übertraf.

 

Europa wird sich auf eine deutlich höhere Anzahl an extremen Wetterereignissen einstellen müssen, vor allem in Form von Hitzewellen, Dürren und heftigen Niederschlägen. Eine Analyse der Dürreperioden wird aufgrund der unterschiedlichen Kategorien bzw. Definitionen des Begriffs Dürre (meteorologisch, landwirtschaftlich, hydrologisch) und des Mangels an langfristigen Messungen erschwert. In Südeuropa sind bereits Tendenzen zu intensiveren und längeren meteorologischen Dürreperioden zu beobachten, diese Tendenzen sind aber noch nicht nachgewiesen.

 

Extreme Klimaereignisse nehmen zu

Allgemein ist mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass es bei den Temperaturextremen eine Entwicklung hin zu mehr heißen Tagen, warmen Nächten und Hitzewellen geben wird. Aufgrund des Klimawandels werden in ganz Europa systembedingte, auf extreme Witterungsbedingungen zurückzuführende Ausfälle ganzer Sektoren immer wahrscheinlicher. Es ist auch davon auszugehen, dass der Klimawandel vor allem in Südeuropa zu immer zahlreicheren und intensiveren Hitzeperioden führen wird, mit zumeist negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, die Land- und Forstwirtschaft, die Erzeugung und den Verbrauch von Energie, den Transport, den Tourismus, die Arbeitsproduktivität und die bebaute Umwelt.

 

Steigende Meeresspiegel und zunehmend heftige Niederschläge werden die Überschwemmungsgefahr an den Küsten und Flussufern Europas steigen lassen. Ohne Anpassungsmaßnahmen wird es zu immer größeren überschwemmungsbedingten Schäden für Mensch und Wirtschaft kommen.

 

Gefahren für die europäische Landwirtschaft und die freie Natur

Als weitere Folge des Klimawandels ist mit steigenden Getreideernten im Norden Europas, gleichzeitig aber mit sinkenden Erträgen in Südeuropa zu rechnen. Es wird zu einem höheren Bewässerungsbedarf kommen, was jedoch aufgrund von Wassermangel, den Erfordernissen anderer Sektoren und wirtschaftlichen Kosten zu einem Problem zu werden droht. Bis 2050 wird es in einigen Subregionen nicht mehr möglich sein, die Felder ausreichend zu bewässern, um die Ernten vor hitzebedingten Schäden zu bewahren. Sämtliche Klimaprognosen gehen von steigenden Systemkosten aus. Um das Problem zukünftiger konkurrierender Interessen von Landwirtschaft, Energie, Naturschutz und den menschlichen Siedlungen zu lösen, werden wir ein integriertes, grenzüberschreitendes Wassermanagement benötigen.

Der beobachtete Klimawandel beeinträchtigt auch bereits einen Großteil der Flora und Fauna, die unter Schädlingen und Krankheiten leiden und selbst zu Krankheitserregern und Wirten werden. Der Klimawandel wird aller Voraussicht nach Auswirkungen auf die Arten und ihre Lebensräume haben. Lokal werden ganze Spezies aussterben und in ganz Europa ist mit Veränderungen bei der Artenverteilung zu rechnen.

 

Vor diesem Hintergrund leistet der IPCC mit seinen verlässlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen einen äußerst wertvollen Beitrag für die anstehenden Debatten. In den vergangenen 15 Jahren hat die Forschungstätigkeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel stark zugenommen. So kann sich die politische Debatte stärker auf die auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erarbeitenden Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen konzentrieren. Auf die Dringlichkeit dieser Maßnahmen muss wohl nicht hingewiesen werden.

 

Auch die Kirche setzt große Hoffnungen in die COP21. Der Klimawandel, so wurde verkündet, soll auch der Schwerpunkt der nächsten Enzyklika von Papst Franziskus sein. Erklärtes Ziel des Papstes ist es, Einfluss auf die Klimaschutzverhandlungen in Paris im Dezember dieses Jahres zu nehmen. Bei einem Gespräch mit Journalisten auf dem Flug von Sri Lanka nach Manila sagte er: „Ich weiß nicht, ob wir Menschen alleine für den Klimawandel verantwortlich ist, aber zum größten Teil sind wir es. In den meisten Fällen sind es wir Menschen, die der Natur schaden. In gewisser Hinsicht haben wir uns an der Natur, an Schwester Erde, an Mutter Erde vergriffen. Wir sind wirklich zu weit gegangen. Gott sei Dank erheben sich heute Stimmen gegen unser Tun.“

 

Jose Ignacio Garcia

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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