Montag 24. Juli 2017
#176 - November 2014

 

Energieeffizienz in der EU: Bewegung in die richtige Richtung

 

Energieeffizienz ist einer der Grundpfeiler der Klimaschutzpolitik. Der letzte Europäische Rat hat über frühere Erwartungen hinausgehend eine sehr ehrgeizige Erhöhung der Energieeffizienz um 27 % vorgeschlagen.


Ende Juli hat die Europäische Kommission eine Mitteilung zum Thema Energieeffizienz und ihr Beitrag zur Energieversorgungssicherheit und zum Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 veröffentlicht. Ziel dieser Mitteilung ist es zu analysieren, wie realistisch es ist, die in der Strategie 2020 festgelegten Ziele einer Erhöhung der Energieeffizienz um 20 % zu erreichen. Gleichzeitig schlägt die Kommission ein neues Ziel von 30 % bis 2030 vor.

 

Energieeffizienz ist ein wichtiges Thema, stellt es doch neben dem Umstieg auf erneuerbare Energiequellen und der Reduzierung der CO2-Emissionen einen der drei Hauptpfeiler der Klimaschutzpolitik dar. In der letzten europäischen Klimaschutzstrategie hatte man sich auf die bekannte 20-20-20-Formel geeinigt: 20 % Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, 20 % weniger Treibhausgasemissionen sowie eine Steigerung der Energieeffizienz um 27 %, wie auf dem jüngsten Europäischen Rat am 23. Oktober vereinbart wurde.

 

Energieeffizienz ist kein außerordentliches Konzept, sondern besteht in einer schlichten zwischen Abschätzung zwischen Produktion und Energieverbrauch. Bis 2006 verzeichneten das BIP und der Energieverbrauch einen kontinuierlichen, parallelen Anstieg. Anschließend begann der Energieverbrauch jedoch zu sinken und sich in seiner Entwicklung von der des BIP zu lösen, ein Trend, der sich seit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 weiter verstärkt hat. Ein Grund für diese Entwicklung ist mit Sicherheit der Rückgang der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit, es gibt aber weitere Faktoren, wie die bessere Energiebilanz von Gebäuden, die Entwicklung effizienterer Geräte und eines detaillierten Kennzeichnungssystems, das den Verbrauchern erlaubt, gezielt energieeffiziente Elektro- und Elektronikgeräte zu erwerben. Insgesamt geben die EU-Haushalte 6,4 % ihres verfügbaren Einkommens für den hauseigenen Energieverbrauch aus, rund zwei Drittel davon fürs Heizen.

 

2012 sahen sich rund 11 % der EU-Bevölkerung außer Stande, ihre Wohnungen ausreichend zu heizen. Energieeffizienz ist also oftmals auch im Zusammenhang mit Energiearmut zu sehen. Diejenigen, denen es besonders schwer fällt, am Ende des Monats ihre Stromrechnung zu bezahlen, leben für gewöhnlich in den Häusern mit den schlechtesten Wärmedämmwerten. Geringe Einkommen gehen insofern fast immer mit schlechten Wohnbedingungen einher. Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudeisolierung würden vor allem Geringverdienern nutzen, da deren Energieausgaben effizienter genutzt würden.

 

Die Aussichten, das 27 %-Ziel bis 2020 zu erreichen, stehen gut. Auch wenn ein Drittel des Erfolgs auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist, erkennt man doch einen klaren Trend hin zur Schaffung effizienterer Energiesysteme. Insofern ist auch davon auszugehen, dass das neue, für 2030 gesteckte Ziel erreichbar ist und dies hoffentlich in einer Zeit der wirtschaftlichen Erholung. So gesehen scheint das ehrgeizige Ziel einer 30-prozentigen Verbesserung der Energieeffizienz bis 2030 nicht unmöglich. Ganz im Gegenteil, Energieeffizienz geht in hohem Maße mit einer mittelfristigen Senkung der Unternehmenskosten einher, auch wenn zunächst einmal entsprechende Investitionen erforderlich sind. Zudem besteht Aussicht auf eine Ankurbelung der Bautätigkeit und damit auf eine weitere Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden.

 

Das eigentliche Problem dieses Prozesses ist finanzieller Natur. Die Europäische Kommission schätzt die Kosten für die Erreichung der 2030-Ziele auf mindestens 38 Milliarden Euro pro Jahr. Den größten Teil dieses Geldes müssten Privatinvestoren aufbringen, da sich nahezu 90 % der Gebäudeflächen in der EU in privatem Besitz befinden. Doch auch der Staat wird seinen Teil beitragen müssen, um diese Wende zu unterstützen. Der Beitrag aus den Europäischen Strukturfonds im Zeitraum 2014 -2020 zur Förderung von Investitionen in die emissionsarme Wirtschaft belaufen sich auf 38 Milliarden Euro, doch werden die Staaten beträchtliche Summen zur Finanzierung der Kohäsionspolitik aufwenden müssen. Derzeit wird über die Finanzierung für den Zeitraum nach 2020 verhandelt, denn wenn die geplanten Maßnahmen wirklich greifen sollen, müssen die Investitionen den Herausforderungen entsprechen und langfristig ausgelegt sein.

 

Das gesamte Effizienzprogramm der Europäischen Kommission hat aber auch Schwächen. So legt die Kommission zwar verbindliche Ziele für die Union selbst fest, diese gelten aber nicht für die einzelnen Mitgliedstaaten, die nach dem Prinzip der Freiwilligkeit handeln. Insgesamt wird ein positives Ergebnis für die EU erwartet, auch wenn die Geschwindigkeit wohl von Staat zu Staat variieren wird. Letztendlich baut die Union darauf, dass die effizienteren Länder diesen Weg so konsequent weiterverfolgen, dass sie die Schwächen der anderen ausgleichen können.

 

Jose Ignacio Garcia

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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