Montag 25. September 2017
#175 Oktober

 

„Junge Europäer – Wir stehen für Nachhaltigkeit und ECO-Justice!“ Fachgespräch in Brüssel

 

Im Rahmen eines Fachgesprächs am 09. September in Brüssel bei der COMECE stellten Vertreter(inn)en christlicher Jugendorganisationen ihre Projekte zu Klimaschutz und einem umweltgerechteren Lebensstil vor.


Für den 23. September 2014 hat UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon alle zentralen Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu einem außerordentlichen Klimagipfel nach New York geladen. Die Europäische Union gehört traditionell zu den großen Akteurinnen bei diesen globalen Klimaverhandlungen. Regelmäßig finden auf höchster Ebene Treffen statt, um den Beitrag der Global Leader für eine klimafreundlichere Wirtschaftspolitik und einen nachhaltigeren Lebensstil auszuhandeln. Trotz all dieser Bemühungen auf internationaler Ebene können auch in Europa noch große Widersprüche in verschiedenen Bereichen ökologischer Gerechtigkeit (Eco-Justice) festgestellt werden, darunter Umweltverschmutzung, verbreitete Armut und Ausgrenzung. Nachhaltig und ressourcenschonend zu leben scheint dabei für viele Europäer noch nicht notwendig oder erschwinglich zu sein.

 

Im Rahmen eines Fachgesprächs am 09. September in Brüssel bei der COMECE stellten Vertreter(inn)en christlicher Jugendorganisationen ihre Projekte zu Klimaschutz und einem umweltgerechteren Lebensstil vor und formulierten daraus entstandene Forderungen und Fragen an Vertreter(inn)en der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments. Dabei standen zwei Projekte besonders im Fokus. Als Erstes stellten Jugendliche aus Deutschland die Jugendklimakonferenz Klar zur Wende der Evangelischen Jugend der Nordkirche vor. Sie plädierten dabei für eine Kursänderung in Kirche und Gesellschaft, um endlich ernsthaft dem Klimawandel und seinen Folgen zu begegnen. Dazu haben sie auf ihrer Klimakonferenz Thesen verfasst, die sie der Synode der Nordkirche in Kürze vorlegen werden. Darunter findet sich u.a. die Aufforderung, dass die Nordkirche eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen müsse und alle Menschen ihren Lebensstil auf den Verbrauch von Kohlenstoffdioxid hinterfragen sollten. Als zweites Beispiel für das besondere Engagement junger Menschen stellte Igino Zanandrea, Direktor der Organisation Turismo Giovanile e Sociale Eurogroup (Italien), vor, wie im Rahmen von Ferienfreizeiten Kinder und Jugendliche auf spielerische Art und Weise lernen, sorgsam und verantwortungsvoll mit der Schöpfung umzugehen. Diese Projekte werden schon seit etlichen Jahren erfolgreich in Italien veranstaltet und umfassen zahlreiche Themengebiete.

 

Im Anschluss an die Vorstellung dieser Projekte tauschten sich Margrete Auken (Mitglied des Europäischen Parlaments), Roberta Di Lecce (Beauftrage für Klimapolitik der italienischen Ratspräsidentschaft), Yrjö Mäkelä (Europäische Kommission, GD Klima), Raphael Breyer (Bund der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ), Pawel Pustelnik (Ökumenischer Jugendrat in Europa) und Peter Pavlovic (Konferenz europäischer Kirchen) über die Erfordernisse einer nachhaltigen und ökologisch gerechten Zukunft aus und stellten ihre spezifischen Ansatzpunkte und Initiativen vor.

 

Roberta Di Lecce von der italienischen Ratspräsidentschaft machte in ihren Ausführungen die großen  Herausforderungen deutlich, vor denen die EU in den nächsten Jahren im Bereich des Klimaschutzes stehe. Es sei nicht einfach, dass sich alle Mitgliedsländer auf eine gemeinsame politische Linie einigten, da die Verantwortung für die Bekämpfung des Klimawandels zwischen den Staaten immer wieder hin und her geschoben werde. „Dieser Gegensatz müsse endlich überwunden werden“, so Di Lecce, damit eine gemeinsame Anstrengung aller erreicht werden könne. Nur mit einer gemeinsamen Stimme werde Europa seiner Vorreiterrolle in der Welt gerecht. Als wichtige Ziele der italienischen Ratspräsidentschaft nannte sie die Überarbeitung des Emissionshandels und die Verabschiedung der Rahmenvereinbarung für die Klima- und Energiepolitik der EU in den Jahren 2020-2030. Außerdem müsse ein stärkerer Fokus europäischer Klimapolitik auf die Reduzierung der Emissionen, die der ständig wachsende Transportsektor zu Lande und zu Wasser verursacht, gelegt werden.

 

Margrete Auken brachte dagegen ihre Enttäuschung über die ihrer Meinung nach zu wenig ambitionierte Klimapolitik der EU zum Ausdruck. Es herrsche im Bereich des Klimawandels ein falsch verstandenes Gottvertrauen vor, so als würde alles irgendwann schon gut werden. Dass dem aber nicht so sei, machten die vielen wissenschaftlichen Studien deutlich, die zum großen Teil sehr bedrohliche Szenarien für die Zukunft ausmalen, wenn nicht umgehend gehandelt werde.

 

Dass jetzt dringend gehandelt werden müsse, unterstrich auch Yrjö Mäkelä von der Kommission. Er wehre sich aber dagegen, die Ziele und Maßnahmen der Europäischen Union schlecht zu reden. Die EU sei weltweit führend in der Bekämpfung des Klimawandels und der Umstellung ihrer Wirtschaft hin zu einer Green Economy. Dass dies natürlich nicht von heute auf morgen gehe, müsse aber gerade in einem demokratischen Gebilde eben akzeptiert werden.

 

„Gerade die Jugendlichen von heute sind es, auf die es in Zukunft ankommen wird“, betonte Raphael Breyer als Vertreter des BDKJ. Junge Menschen wissen oft um diese Verantwortung, sie seien aber häufig enttäuscht von dem, was sie in der Klimapolitik wahrnehmen würden. Er erhoffe sich daher eine größere Unterstützung für die Projekte Jugendlicher und regte zum Umdenken an. Er berichtete von dem EU-Projekt „I SHOP FAIR“. Konsum geht auch verantwortungsvoll! Gemeinsam mit den Projektpartnerorganisationen möchten der BDKJ kritischen Konsum in Deutschland, Österreich, Polen und Malta voranbringen. Hierbei geht es um kritischen Konsum jeder/s Einzelnen. Weitere Anregungsmöglichkeiten wurden von Jugendlichen des BDKJ Mainz geliefert. Sie stellten ihren Beitrag zu dem Projekt „WELTfairÄNDERER" vor. Unter diesem Motto steht das Projekt Jugendzeltkirche an Schulen im Bistum Mainz.

 

Von seinen Erfahrungen mit einer Kampagne zur Förderung von Eco-Justice berichtete Pawel Pustelnik. Er erlebe in vielen Seminaren des ökumenischen Jugendrates eine intensive Auseinandersetzung junger Menschen mit Klima- und Gerechtigkeitsfragen, die auch von der Politik Gehör und Beachtung gefunden haben. Bei der Beteiligung von Jugendlichen an Diskussions- und Entscheidungsprozessen gebe es aber auch noch Verbesserungsbedarf.

 

„Ambitioniert, gerecht und verbindlich,“ so fasste Peter Pavlovic die Erwartungen der Konferenz europäischer Kirchen an die europäische Klimapolitik zusammen. Dass der Klimawandel auch heute schon in der Dritten Welt immer mehr Opfer fordere, dürfe in dieser Debatte nicht vergessen werden. Deshalb müssten die kommenden Klimagipfel unbedingt erfolgreich enden.

 

Dass auch jeder und jede Einzelne schon einen kleinen, aber wichtigen Beitrag in dieser Debatte leisten könne, machte zum Schluss der Veranstaltung Patrick Daly, Generalsekretär der COMECE, deutlich. „Die christliche Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung muss uns hin zu einem bewussten und nachhaltigen Lebensstil führen.“

 

Das Fachgespräch wurde in ökumenischer Zusammenarbeit von sechs kirchlichen Büros und christlichen Jugendorganisationen veranstaltet: Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland (aej), Konferenz der Europäischen Kirchen (CEC), Sekretariat der Kommission der Bischofskonferenzen in der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), Don Bosco International, Büro der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Brüssel, Ökumenischer Jugendrat in Europa (EYCE),  Rete Juventutis/ Europabüro für katholische Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.

 

Vorbereitungsteam „ECO-Justice“

 

Anna Echterhoff war für das COMECE Sekretariat Mitglied im Vorbereitungsteam


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Agenda

> 17. Juli
Die Kommission wird die Überprüfung der Arbeitsbezogenen und Sozialen Entwicklungen in Europa für das Jahr 2017 vorstellen. Dieses Jahr wird sie sich auf inter-generationelle Fairness konzentrieren.
 
> 24. Juli
Der Rat “Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN)” wird die Wirtschafts- und Finanzminister aus allen EU-Mitgliedstaaten versammeln, um EU-Wirtschaftspolitik, Steuerfragen und die Regulierung der Finanzdienstleistungen zu überprüfen.
 
> 17. - 18. Juli
Der Rat “Landwirtschaft und Fischerei” wird sich in Brüssel treffen. Die jeweils zuständigen Minister der Mitgliedstaaten werden Themen im Bereich der Landwirtschaft und Fischerei diskutieren, wie Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierschutz und Pflanzengesundheit.
 
> 31. Juli – 11. August
Das COMECE-Büro in Brüssel bleibt geschlossen.
 
> 28. – 31. August
Die Ausschüsse des Europäischen Parlaments werden ihre Arbeit wiederaufnehmen, um die Gesetzgebungsarbeit für die Plenartagung des Parlaments vorzubereiten.

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