Donnerstag 16. August 2018
#174 September

 

Die Internationale Sommerschule – ein Ort des Wandels

 

Bereits zum neunten Mal in Folge hat die COMECE die « Graz International Summer School Seggau » (GUSEGG) in Österreich mitveranstaltet. Die diesjährige stand im Zeichen der Transformation.


Es ist bereits zur Tradition geworden, dass die COMECE in den ersten zwei Juliwochen gemeinsam mit der Universität Graz und der Diözese Graz-Seckau eine Sommerschule für international interessierte junge Menschen organisiert. Wie jedes Jahr kamen auch heuer rund 100 Studierende und Professoren aus 26 verschiedenen Ländern und 50 Universitäten in das von wunderschöner steirischer Natur umgebene Schloss Seggau, dem ehemaligen Bischofssitz, um sich zwei Wochen lang auf akademischer Ebene mit Fragen von europäischer sowie globaler Bedeutung auseinanderzusetzen. Der Hauptschwerpunkt der diesjährigen Sommerschule war “Transformation and Change: Europe and beyond” („Transformation und Wandel: Europa und darüber hinaus”).

 

Meine Erfahrungen als Teilnehmer

Ich hatte das Privileg, die Sommerschule aus der Teilnehmerperspektive zu erleben. Wie ich durch Gespräche mit anderen Teilnehmern später erfahren habe, erging es am Beginn der Veranstaltung nicht nur mir so, dass die uns (auf den ersten Blick) trennenden und voneinander unterscheidenden Aspekte im Vordergrund unserer Wahrnehmung standen. Wir kamen doch alle aus unterschiedlichen Ecken nicht nur Europas (aus EU- sowie nicht EU-Ländern), sondern der ganzen Welt, aus Ländern wie Südafrika, USA, Mexiko oder Russland. Einige dieser Länder haben in der Vergangenheit oder sogar heute gegeneinander Kriege geführt. Wir kamen aus verschiedenen Traditionen mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen und Weltanschauungen, Sprachkulturen und sozio-ökonomischen Hintergründen.

 

Bereits in ihrer Eröffnungsrede hat die Direktorin der Sommerschule, Prof. Roberta Maierhofer, angedeutet, dass wir uns während der folgenden Tage auf eine Erfahrung der Transformation und des Wandels einstellen sollten. Was folgte, war einerseits intensives akademisches Programm bestehend aus Vorträgen und auf bestimmte Bereiche spezialisierten Seminaren. Durch den Austausch mit renommierten Experten hatten wir somit die Möglichkeit, verschiedene Erfahrungen des Wandels kennenzulernen: von der Medienwelt über Migration, religiöse Bekehrungen bis hin zu ökonomischen Entwicklungen, Altern und demographischem Wandel.

 

Die politischen Transformationsprozesse in Europa wurden aus verschiedenen Perspektiven in einer Podiumsdiskussion mit hochrangigen Gästen einschließlich des Generalsekretärs der COMECE Rev. Patrick Daly beleuchtet, der die europäische Integration aus dem Blickwinkel der Kirche erläuterte.

 

Ein Wandel der Person

Ein wichtiges Element der Seggauer Sommerschule, das sie von gewöhnlichen Lehrveranstaltungen an einer Universität unterscheidet, ist die Betonung der Interaktivität. Nach jedem Vortrag und in jedem Seminar besteht breiter Raum für Diskussion und intellektuellen Gedankenaustausch. Die Studierenden werden motiviert, anregende Themen auf eine kreative und interdisziplinäre Weise zu betrachten und ihre Ideen mit den anderen zu teilen. Die Teamarbeit und gegenseitige Zusammenarbeit sowohl zwischen den Studierenden untereinander als auch zwischen Studierenden und den Professoren werden auch über die offiziellen Arbeitszeiten hinaus bei den Mahlzeiten, Exkursionen sowie Sport- und anderen Freizeitaktivitäten fortgesetzt.

 

Insbesondere die persönlichen Begegnungen und Zeugnisse unter den Teilnehmern machen die Sommerschule zu einer einzigartigen Erfahrung des Wandels, nämlich eines Wandels der Person. Neben der Aneignung wissenschaftlicher Kenntnisse, die für unseren künftigen Berufsweg sicherlich von Bedeutung sein werden, hat bei mir – und meinem Eindruck nach auch bei den anderen Teilnehmern der Sommerschule - ein Wandel in unserem Denken und unserer Wahrnehmung stattgefunden. Unser Horizont wurde erweitert, und was wir am Anfang als trennend betrachtet hatten, hat unsere Person schließlich bereichert und zwischen uns Brücken gebaut. Wir kamen zur Sommerschule als individuelle Personen, und verließen sie als eine Gruppe von Freunden.

 

Ein Anliegen für die Kirche

Gerade dies ist auch für Michael Kuhn, den Koordinator der Sommerschule seitens der COMECE, der Grund, warum die Mitarbeit an diesem Projekt für die Kirche ein wichtiges Anliegen darstellt. Wie der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari während der Eröffnung der GUSEGG 2014 unterstrich, sei es notwendig „jungen Menschen eine umfassende Bildung anzubieten, die nicht nur technische und ökonomische Fähigkeiten vermittelt, sondern auch ein Wissen,  das sich auf das Erbe der Human- und Geisteswissenschaften bezieht, damit junge Menschen wesentlich zu einer lebendigen und humanen Gesellschaft durch die Entfaltung von humanistischen Werten und Tugenden beitragen können“. Eine Forderung, der die Seggauer Sommerschule völlig Rechnung trägt.

 

Marek Mišák

COMECE

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