Tuesday 21. May 2019
#165 - November

 

Wissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels

 

Der jüngste Bericht des IPCC bestätigt seine früheren Ergebnisse und führt neue Belege dafür an, dass menschliches Handeln der Hauptgrund für die beobachtete globale Erwärmung ist.


Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC; im Dt. auch: Weltklimarat) ist ein bedeutendes Gemeinschaftsprojekt internationaler Wissenschaftler, die sich zur Aufgabe gesetzt haben, den Stand der wissenschaftlichen Forschung über die Mechanismen und Folgen des Klimawandels für Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit zusammenzufassen. Diesmal haben 259 Autoren aus 39 Ländern auf freiwilliger Basis – entsprechend der gängigen Praxis des IPCC – zusammengearbeitet, um den jüngsten Bericht Climate Change 2013: The Physical Science Basis („Klimaänderung 2013: Wissenschaftliche Grundlagen“) fertigzustellen. Dabei handelt es sich um den ersten Teil des Fünften IPCC-Sachstandsberichts. Die wichtigsten Ergebnisse werden in einer Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers) präsentiert.

 

Es ist unbestritten, dass der Bericht keine grundlegend neuen Erkenntnisse bringt. Vielmehr bestätigt er frühere IPCC-Berichte, indem er sie durch neue Ergebnisse stützt. Der Weltklimarat betreibt selbst keine Forschung. Seine Berichte sind die Gemeinschaftsarbeiten von Hunderten von Wissenschaftlern, die alle wichtigen Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre sichten und beurteilen. Der neue Bericht unterscheidet sich von seinem Vorgänger Klimaänderung 2007 (Vierter IPCC-Sachstandsbericht) vor allem dadurch, dass viele neue Ergebnisse eingearbeitet wurden, die der intensiven Forschung hunderter Universitäten und Forschungszentren, die sich in den vergangenen Jahren dem Klimawandel und verwandten Themen gewidmet haben, zu verdanken sind.

Es folgt nun eine selektive Zusammenfassung der im Bericht vorgelegten Ergebnisse.

 

Heute geht man mit größerer Sicherheit als zuvor (d. h. mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 %) davon aus, dass menschliches Handeln der Hauptgrund für die seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachtete globale Erwärmung ist. Natürliche Schwankungen sowie natürliche Faktoren wie eine veränderte Sonnenaktivität haben sich praktisch nicht auf die Erderwärmung seit 1950 ausgewirkt. Und doch waren die letzten 30 Jahre vermutlich die wärmsten seit mindestens 1.400 Jahren.

 

Die künftige Erwärmung bis 2100 wird – bei vergleichbaren Emissionsszenarien – etwa gleich groß ausfallen wie im vorherigen Bericht vorhergesagt: Nach wie vor geht beim höchsten Emissionsszenario die beste Schätzung der globalen Erwärmung für 2010 von 4° C aus. Der Meeresspiegel steigt seit Mitte des 19. Jahrhunderts schneller an als in den vorherigen zwei Jahrtausenden, und der Anstieg wird sich – unabhängig vom Emissionsszenario – noch weiter beschleunigen. Der IPCC-Bericht beziffert den bis 2100 erwarteten Meeresspiegelanstieg auf 28 bis 98 cm, verglichen mit 18 bis 59 cm, wie noch 2007 prognostiziert.

 

Der Weltklimarat geht davon aus, dass aufgrund der globalen Erwärmung Trockengebiete noch trockener und feuchte Gegenden noch feuchter werden. Es ist zu vermuten, dass Extremniederschläge in Nordamerika und Europa derzeit schon zunehmen; künftig werden sie sehr wahrscheinlich auch in den mittleren Breiten und feuchten tropischen Regionen häufiger und intensiver werden.

 

Die Wissenschaftler aus aller Welt versorgen uns bestmöglich mit Informationen. Jetzt, da ihre Prognosen neue Aufgaben für die heutige Gesellschaft mit sich bringen, ist es an der Zeit, dass Entscheidungsträger (in Staaten, Unternehmen, NGOs und der Zivilgesellschaft) ihre eigenen Sichtweisen entwickeln und Antworten finden. Die internationale Diplomatie und die maßgeblichen Institutionen scheinen nicht in der Lage zu sein, diese Aufgabe zu bewältigen; der Kopenhagener Gipfel und die Verlängerung des Kyoto-Protokolls stehen nur für die offensichtlichsten Fehlschläge in diesem Zusammenhang. Die Finanzkrise bestimmt das Geschehen, und in Meinungsumfragen werden Fragen des Umweltschutzes als nicht dringlich eingestuft.

 

Im IPCC-Bericht werden die Auswirkungen der globalen Erwärmung in Europa nicht in aller Ausführlichkeit beschrieben, da es weitere Berichte zu Anpassungsstrategien und zur Eindämmung des Klimawandels geben wird. Die zunehmende Dürre im Mittelmeerraum ist offensichtlich. In vielen Teilen Europas kommt es immer häufiger zu Hitzewellen. Gleichzeitig gilt als gesichert, dass Überschwemmungen (in Nord- und Mitteleuropa) seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu den vorherigen fünf Jahrhunderten häufiger und stärker geworden sind.

 

Zwei Folgen der Klimaänderung sollen im Folgenden erwähnt werden: Zum einen wird klimabedingte Migration zunehmen, da durch Dürreperioden und Tropenstürme Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden und in vielen Fällen nach Europa abwandern. Zum anderen droht Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sinken, wenn die Energiepreise steigen werden, entweder durch die Umsetzung von Verfahren zur CO2-Abscheidung oder durch einen grundlegenden Wechsel hin zu erneuerbaren Energiequellen.

 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es daher unabdingbar, die Ausführungen des Fünften IPCC-Sachstandsberichts – vor allem die über rein wissenschaftliche Fakten hinausgehenden Aussagen – ernst zu nehmen und dementsprechend zu handeln. Denn erstens kommt in unserer gegenwärtigen Situation menschlicher Aktivität eine entscheidende Bedeutung zu, so dass Veränderungen im Lebensstil und im zivilgesellschaftlichen Engagement dringend geboten sind. Zweitens wird unsere größte Aufgabe die der „Anpassung“ an den Klimawandel sein. Der Bericht macht deutlich, dass wir nun vor grundlegend geänderten Gegebenheiten stehen. Eine Anpassung an neue und unsicherere Lebensbedingungen wird sowohl jedem Einzelnen als auch jeder Gemeinschaft mehr abverlangen.

 

 

Jose Ignacio Garcia SJ

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

Teilen |
europeinfos

Published in English, French, German
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brussels
Tel: +32/2/235 05 10
e-mail: europeinfos@comece.eu

Editors-in-Chief: Martin Maier SJ

Note: The views expressed in europeinfos are those of the authors and do not necessarily represent the position of the Jesuit European Office and COMECE.
Display:
http://www.europe-infos.eu/