Mittwoch 20. März 2019
#165 - November

 

Klimawandel: eine Sache der Solidarität und der globalen Gerechtigkeit

 

Als zweitgrößter Emittent von CO2 nach den USA, hat die EU eine moralische Verantwortung zu handeln.


Im Lichte des fünften Sachstandsberichts der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC) und im Vorfeld der Warschauer Konferenz zum Klimawandel (COP) wurde ein eintägiges Seminar unter dem Titel „Umweltschutz und Klimawandel als eine Herausforderung für die Politik - die Rolle der Ethik, der Lebensstile, der Solidarität und der globalen Gerechtigkeit“ abgehalten. Dieses „Dialog-Seminar“ wurde gemeinsam von der Kommission für Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Zusammenarbeit mit dem Büro der Europäischen Politikberater (BEPA) organisiert und bot den fachkundigen konfessionellen wie nicht-konfessionellen Teilnehmern ein offenes Forum.

 

Vertreter aus Kirche, Europäischer Kommission, Wissenschaft und Nicht-Regierungsorganisationen sowie per Video aus Bangladesh, der Weihbischof der Erzbistums Dhaka, Mgr. Theotonius Gomes, nahmen an dem Seminar teil. Zu den Vertretern der Europäischen Kommission gehörten Dr. Artur Runge Metzger (Chefverhandler der EU in Sachen Klimawandel und Direktor für Klimastrategie und Internationales in der Generaldirektion für Klima), Martin Scheele (Leiter des Referats Umwelt der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung) und Paul Renier (Stellvertretener Referatsleiter in der Generaldirektion Entwicklung und Zusammenarbeit)

 

In Anbetracht der im letzten IPCC Bericht angeführten wissenschaftlichen Nachweise betonte Prof. Goose von der Katholischen Universität in Leuven die unleugbare Tatsache des menschlichen Faktors für die Verursachung von Klimawandel. Diese Unbestreitbarkeit legte die Grundlage für die Tagesdiskussion, bei der die Disparität zwischen dem Wissen/Anerkennen dieser Tatsache und dem entsprechenden Handeln mehrmals angesprochen wurde.

 

Da der Klimawandel von globaler Tragweite ist, wird dieses Thema auch von den religiösen Entwicklungsorganisationen aufgegriffen, wie Janna Schönfeld von APRODEV (einer Assoziation der 17 Hauptorganisationen für Entwicklung und humanitäre Hilfe in Europa) bestätigte: „Die EU ist historisch betrachtet nach den USA der zweitgrößte Emittent von CO2. Gleichzeitig ist sie eine der reichsten Regionen der Welt. Die EU trifft daher zweifelsohne eine moralische Verantwortung zu handeln.“ Diese Meinung wurde auch von Bernd Nilles von CIDSE (einer internationalen Allianz von 17 katholischen Entwicklungsorganisationen aus Europa und Nordamerika) geteilt, der meinte, dass „fortgesetzter Abbau fossiler Brennstoffe, wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und fehlende Bereitschaft zur Finanzierung von Vermeidungs- und Anpassungsstrategien („mitigation“ und „adaptation“) verwundbare Gemeinschaften in Gefahr bringen.“ Mgr. Theotonius Gomes bekräftigte in seiner Videobotschaft nochmals, dass „es die Armen sind, die wegen der klimatischen Ungerechtigkeit und des Klimawandels leiden. Wir müssen dieses Leiden schmälern und nicht vermehren.” Während es hinreichend Ressourcen gebe, um jeden Menschen mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu versorgen, würden diese Leistungen nicht gleichmäßig verteilt- ein Problem, das durch geopolitische Grenzen verschärft werde. Die von den Industrieländern vorgeschlagenen Lösungen für die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, sind bei weitem nicht befriedigend. Prof. Hans Diefenbacher von der Universität Heidelberg hob die Lücke zwischen der Illusion von kurzfristigen ökonomischen Vorteilen und langfristigen nachhaltigen Maßnahmen hervor, die zur Heilung der kontinuierlichen Klimaverschlechterung auf faire und gerechte Art benötigt werden.

 

Martin Scheele betonte die Notwendigkeit, die Ressourceneffizienz zu steigern und das Augenmerk nicht nur auf die Produktionskette, sondern auch auf das Verbraucherverhalten zu richten (Verbraucherbewusstsein und die Problematik der „Wahl“). Die eigene Verantwortung wahrzunehmen, den Paradigmenwechsel zugunsten eines „Genug-Habens“ anzunehmen und eine Änderung des Lebensstils vorzunehmen, seien die Schlüsselaufgaben, den menschlichen Faktor zielgerichtet anzusprechen. Die Rolle der Kirche für die Erreichung dieses Ziels wurde wiederholt hervorgehoben. Es sind insbesondere die Armen, die zuvörderst und am meisten in Folge des Klimawandels leiden. Wenn die Kirche ihr Potenzial, als treibende Kraft auf die Änderung von Konsummustern einzuwirken, wahrnehmen wolle, so müsse sie zunächst ihre eigenen Hausaufgaben erledigen, wobei es bereits Beispiele gebe, wie diesbezügliche Initiativen erkennen lassen.

 

Schließlich wurde das Bedürfnis, mutige, hochstrebende und verbindliche Zielvorgaben bis 2050 und darüber hinaus zu definieren, von Arthur Runge-Metzger artikuliert, der hinzufügte, dass unabhängig davon, wie hoch die finanziellen Kosten für steigende Zielvorgaben für Handlungen im Klimabereich seien, im Hinblick auf künftige Bürger- sowohl bereits geborene wie auch noch ungeborene, ein vergleichsweise kleiner Preis zu zahlen ist.

 

Zum Abschluss des Seminars drückten die Vertreter der Kirchen ihre Bereitschaft aus, einen wesentlichen Beitrag zur Minderung von Effekten des Klimawandels von der COP (Conference of Partners) im November in Warschau, in Peru (2014) und in Paris (2015) und darüber hinaus zu leisten.

 

Es ist allerdings von großer Bedeutung, dass neben der Betrachtung von fachlichen Lösungen auch der spirituelle Aspekt mit berücksichtigt wird. Sowohl P. Jose Ignacio Garcia SJ (JESC) als auch Rev. Henrik Grape von der Schwedischen Kirche hoben die geistliche Dimension, gute Verwalter der Schöpfung zu sein, hervor. P.Garcia sprach von der legitimen Furcht vor der Zukunft, doch gleichzeitig erinnerte er die Teilnehmer daran, dass Furcht zur Lähmung führen kann. In seiner Reflexion hob er hervor, dass „Furcht durch Liebe, durch aufrichtige Liebe vertrieben werden kann“, wozu Rev. Grape hinzufügte, dass es „die Liebe zu unserem Planet, zur Schöpfung, in der wir leben und von der wir abhängen, ist, die uns zum Handeln zwingt.“

 


Stephen Rooney

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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