Monday 25. January 2021
#161 - Juni 2013

 

Neue EU-Einwanderungspolitik zur Anwerbung ausländischer Studenten und Wissenschaftler

 

Mit einem Richtlinienvorschlag versucht die EU, mehr ausländische Talente für die EU anzuwerben.


Allem Anschein nach verliert die EU an Wettbewerbsfähigkeit, wenn es darum geht, hoch qualifizierte Personen aus dem Ausland in die EU zu locken. Zu den herkömmlichen Mitbewerbern wie den USA, Kanada, Neuseeland oder Australien gesellen sich die neuen asiatischen Wirtschaftsmächte wie Singapur, China oder Indien. In den 27 EU-Mitgliedstaaten stammen insgesamt nur knapp über 10 % der Hochschulabsolventen aus einem anderen Land als dem, in dem sie ihren Abschluss gemacht haben. In Australien und Neuseeland dagegen beläuft sich diese Zahl auf rund ein Drittel aller Absolventen. Einzige Ausnahme innerhalb des Europäischen Hochschulraums ist das Vereinigte Königreich, wo der Anteil der ausländischen Hochschulabsolventen 22 % beträgt.

 

Gründe für die Wahl eines bestimmten Landes

Es gibt verschiedene Voraussetzungen, um den Wettbewerb um ausländische Studenten zu gewinnen. Laut der OECD-Studie „Education at a glance“ (Bildung auf einen Blick) aus dem Jahre 2010 stützen sich die Studenten bei der Wahl ihres Studienlandes auf zahlreiche Faktoren: Unterrichtssprache (ein ausschlaggebender Faktor), Studiengebühren und Lebenshaltungskosten, Einwanderungspolitik, akademischer Ruf des Landes und die Flexibilität bestimmter Institute oder Programme, mangelhafte Hochschulausbildungsmöglichkeiten oder restriktive Zulassungsbestimmungen zu den Hochschulen im eigenen Lande, anschließende Anerkennung der Hochschulabschlüsse, geografische, handelspolitische oder historische Beziehungen zwischen den betroffenen Ländern, zukünftiges Arbeitsangebot und kulturelle Erwartungen. Gründe, die dazu führen, ein bestimmtes Land als Studienort zu vermeiden, sind Rassismus bzw. ausländerfeindliches Verhalten oder gar der Ruf der Gewalttätigkeit.

 

Migration und Mobilität

Mit ihrem neuen Richtlinienvorschlag über die Bedingungen für die Einreise und den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen zu Forschungs- und Studienzwecken möchte die EU die Einwanderungsbedingungen für hoch qualifizierte Personen, insbesondere Studenten und Wissenschaftler, verbessern. Ziel ist es, sie angesichts der sich auf dem globalen Markt bietenden anderweitigen Optionen dazu zu bewegen, sich für ein Land der Europäischen Union zu entscheiden.

Besonderes Augenmerk legt die neue Richtlinie auch auf die Förderung der Mobilität ausländischer Studenten und Wissenschaftler sowie ihrer Familienangehörigen innerhalb der EU für einen Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten.

 

Verfahrensgarantien und Arbeitsmöglichkeiten

Die Verfahrensgarantien zum Erhalt eines Aufenthaltstitels innerhalb eines EU-Mitgliedstaates sind sehr unterschiedlich und mitunter schwer zu verhandeln. Vor diesem Hintergrund schlägt die EU in ihrer neuen Richtlinie klarere Verfahrensgarantien mit Blick auf die Beurteilung der Anträge vor und verpflichtet die Behörden der Mitgliedstaaten, innerhalb eines Zeitraums von 60 Tagen über einen Antrag zu entscheiden.

 

Im Gegenzug sollen die Studenten die Erlaubnis erhalten, während ihres Studiums 20 Stunden pro Woche zu arbeiten, wobei dieses Recht je nach Arbeitsmarktlage des jeweiligen Mitgliedstaates eingeschränkt werden kann. Auch wenn ihnen diese Arbeitserlaubnis sicherlich hilft, ihre materiellen Bedürfnisse zu decken, kommt es doch häufig vor, dass derartige Teilzeitjobs die Studenten von ihrem Studium abhalten und sich negativ auf ihre akademischen Leistungen auswirken.

 

 

Die Aussicht auf eine Arbeitserlaubnis für Hochschulabsolventen stärkt die Attraktivität eines potenziellen Studienlandes. Australien, Kanada und Neuseeland beispielsweise machen es ausländischen Studenten, die an ihren Universitäten studiert haben, leicht, sich im Land niederzulassen, indem sie ihnen Extrapunkte für ihre Einwanderungsunterlagen gewähren. Aus diesem Grunde erhalten Studenten und Wissenschaftler im Rahmen der neuen EU-Richtlinie die Möglichkeit, unter gewissen Voraussetzungen bis zu zwölf Monate im jeweiligen Mitgliedstaat zu verbleiben, um einen Arbeitsplatz zu finden oder ein Unternehmen zu gründen. Diese Erlaubnis kommt allerdings nicht einer automatischen Arbeitsgenehmigung gleich, denn die Gewährung einer Arbeitserlaubnis bleibt weiterhin im Verantwortungsbereich des jeweiligen Mitgliedstaates.

 

Mehr als reine Wettbewerbsfähigkeit

Mit der vorgeschlagenen Richtlinie erhalten Nicht-EU-Staatsbürger die Möglichkeit, einen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Wirtschaft der EU zu leisten. In den Jahren 2007/2008 betrugen die von über 200.000 ausländischen Studenten außerhalb des Universitätsgeländes getätigten Ausgaben alleine im Vereinigten Königreich rund 2,7 Milliarden Euro.

 

Nicht minder wichtig jedoch ist die Tatsache, dass die ausländischen Studenten einen Beitrag zur kulturellen und persönlichen Bereicherung unterschiedlicher Länder und Menschen leisten. Beide Seiten – Europäer und Nicht-Europäer – profitieren gleichermaßen von diesen persönlichen Beziehungen und Austauschen. Sie schaffen Verbindungen, die die Zusammenarbeit in anderen Bereichen erleichtern und zu einem friedlichen Miteinander unterschiedlicher Nationen und Völker führen.

José Luis Bazán

COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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