Montag 25. September 2017
#159 - April 2013

 

Brücken bauen zwischen Afrika und der EU

 

„Mit einer Hand geben wir Afrika ein paar Brosamen, mit der anderen nehmen wir den Brotlaib weg“, so Angel Olaran, Missionar in Äthiopien.


Wie Angel Olaran haben viele Missionare erkannt, dass die Verarmung der Bevölkerung Afrikas, einem rohstoffreichen Kontinent, in erster Linie auf entwicklungspolitische Maßnahmen zurückzuführen ist, die außerhalb von Afrika geplant, finanziert und durchgeführt werden. Vor diesem Hintergrund möchten sie das Bewusstsein der Öffentlichkeit in ihren Heimatländern schärfen, um die Ursachen von Armut und Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

 

Gründung des AEFJN

Dieses Jahr feiert das Afrika-Europa Netzwerk für Glaube und Gerechtigkeit (AEFJN) sein 25-jähriges Bestehen, ein Vierteljahrhundert, das es dem Einsatz für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit in Afrika gewidmet hat. 1986 riefen mehrere Missionsgemeinschaften, denen die Lage in Afrika ein Dorn im Auge war, eine Kommission ins Leben. Ziel war die Schaffung eines Netzwerkes, mit dem EU-Maßnahmen zur Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung in Afrika unterstützt werden sollten. In seiner Enzyklika aus dem Jahre 1987 Sollicitudo Rei Socialis rief Papst Johannes Paul II. Missionare auf, in „neuen Missionsforen“ präsent zu sein, in denen Entscheidungen getroffen werden. Im Juni 1988 gründeten 19 Missionsgemeinschaften das Afrika-Europa Netzwerk für Glaube und Gerechtigkeit (AEFJN) mit einem Sekretariat in Brüssel. In Washington gab es bereits seit 1983 ein vergleichbares Netzwerk (AFJN). Der Einsatz für eine gerechtere internationale Afrikapolitik war eine neue Art, den Missionsgedanken zu leben. EU-Vereinbarungen und Politiken wurden auf ihre Auswirkungen auf die afrikanische Bevölkerung hin überprüft. Es wurden Empfehlungen zur Veränderung der EU-Afrika-Beziehungen erarbeitet. Ziel war die Förderung einer auf Gerechtigkeit und Solidarität ausgerichteten EU-Politik, die es dem afrikanischen Kontinent ermöglichen sollte, eigenständig über seine Entwicklung zu entscheiden und die Stellung einzunehmen, die ihm auf der internationalen Bühne gebührt. In Afrika wie in Europa kam es zu einem regen Informationsaustausch, Aktionen wurden vorgeschlagen, um die Öffentlichkeit zu beteiligen und Einfluss auf die politischen Entscheidungen zu nehmen. Schon bald entstanden nationale Gruppen bzw. lokale Lobbygruppen zur Beratung der EU-Mitgliedstaaten und der afrikanischen Länder.

 

Was uns antreibt und wie wir arbeiten

Das AEFJN hat seinen Namen nicht von ungefähr gewählt. Afrika-Europa bedeutet, dass das AEFJN eine Brücke zwischen zwei Kontinenten schlägt. Seine Mitglieder leben ihren Glauben als Anhänger von Jesus von Nazareth, der „ein Leben in Fülle“ (Jh 10,10) für alle verheißen hat. Erklärtes Ziel der Organisation ist wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle Afrikaner. Das Netzwerk bringt die Belange der auf den unterschiedlichsten Ebenen im Bereich der Entwicklung tätigen 15.000 Mitglieder des AEFJN und die Tausender von europäischen, mit der afrikanischen Realität gut vertrauten Missionaren ins öffentliche Bewusstsein Europas. Unsere Arbeit besteht in erster Linie darin, den Afrikanern zuzuhören und afrikanische Gruppen zu unterstützen. Die europäischen Mitglieder tragen die Verantwortung für die EU-Afrikapolitik mit.

 

Ein Blick auf das heutige Afrika zeigt, dass in den letzten 25 Jahren viele Fortschritte erzielt wurden, es aber nach wie vor viel Ungerechtigkeit gibt. Unser Kampf für eine gerechtere Politik ist wichtiger denn je, da die Ausbeutung immer subtilere Formen annimmt. Der ursprüngliche Schwerpunkt auf wirtschaftlicher Gerechtigkeit hat sich weiterentwickelt und an die afrikanische Realität und die EU-Entwicklungspolitik angepasst. Zu den Aktionsbereichen des AEFJN gehören Entwicklungsprojekte und Kleinbauern, Ernährungssouveränität, Kindersoldaten, der Schmuggel von Handfeuerwaffen, der internationale Handel, der Schuldenerlass, der Zugang zu Land, Wasser und Saatgut für landwirtschaftliche Familienbetriebe, der Zugang zu qualitativ hochwertigen Arzneimitteln, der Landraub, Agro-/Biotreibstoffe, die Ausbeutung von Rohstoffen und die soziale Verantwortung von Unternehmen.

Schwieriger ist es, den Erfolg mit Blick auf die politischen Maßnahmen zu quantifizieren. Das AEFJN hat mit Sicherheit eine Rolle bei den folgenden politischen Veränderungen gespielt: Afrika hat heute ein größeres Mitspracherecht in Bezug auf seine Entwicklungspolitik und wird auf der internationalen Bühne besser wahrgenommen. 1999 schlossen sich bei der WTO-Ministerkonferenz in Seattle (Doha-Runde) afrikanische Länder zusammen, um gegen eine weitere Liberalisierung vorzugehen, wie sie es auch im Rahmen der WPA-Verhandlungen tun. Die Einführung der obligatorischen Geburtenregistrierung erschwert den Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten. Länder dürfen ihren öffentlichen Gesundheitssektor gegen medizinische Patente schützen (Doha-Erklärung). Die GD Handel hat versprochen, sich beim Zugang zu Medizin in den WPA herauszuhalten. Bis heute haben 29 afrikanische Länder vom IWF einen Schuldenerlass erhalten. Afrikanische Landwirte organisieren sich selbständig im Kampf gegen Maßnahmen, die sie beeinträchtigen.

Ernährungssicherheit und bäuerliche Familienbetriebe stehen heute auf der Tagesordnung internationaler Institutionen. Der Gemeinsame Standpunkt der EU verlangt, dass die Mitgliedstaaten bestimmte Kriterien einhalten müssen, wenn sie eine Genehmigung zum Waffenexport erteilen. Die EU hat sich bereit erklärt, den Anteil an Biokraftstoffen aus landwirtschaftlichen Rohstoffen bis 2020 von 10 % auf 5 % zu senken. Das AEFJN sprach sich gegen das Übereinkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie (ACTA) aus, da es den Zugang zu Generika, Saatgut, Pflanzen und neuen Technologien beeinträchtigt. Zum Glück wurde es vom Europäischen Parlament abgelehnt.

 

Das AEFJN fordert ein Moratorium mit Blick auf den Landraub. Auf diese Weise sollen Länder in die Lage versetzt werden, Mechanismen zu erarbeiten, die Landnutzern (Landwirte, Hirten, Forstleute, Bergarbeiter) einen einfacheren Zugang zu Rechtsansprüchen gewähren sollen, um zu verhindern, dass sie gezwungen werden, ihr Land ausländischen Investoren zu überlassen.

 

Ein nigerianisches Sprichwort sagt: In Krisenzeiten baut der Weise Brücken, der Törichte Wälle. Der Neoliberalismus hat beschlossen, Wälle zu bauen, allein, nach Profit strebend und ohne Verantwortung für das Leben aller auf unserem Planeten zu übernehmen. Die Folgen sind Ungleichheit, weit verbreitete Armut und die Zerstörung unserer Erde. Das AEFJN hat gemeinsam mit anderen Bewegungen und Gemeinschaften beschlossen, Brücken zu bauen.

 

 

Begoña Iñarra

AEFJN Geschäftsführerin

 

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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Agenda

> 17. Juli
Die Kommission wird die Überprüfung der Arbeitsbezogenen und Sozialen Entwicklungen in Europa für das Jahr 2017 vorstellen. Dieses Jahr wird sie sich auf inter-generationelle Fairness konzentrieren.
 
> 24. Juli
Der Rat “Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN)” wird die Wirtschafts- und Finanzminister aus allen EU-Mitgliedstaaten versammeln, um EU-Wirtschaftspolitik, Steuerfragen und die Regulierung der Finanzdienstleistungen zu überprüfen.
 
> 17. - 18. Juli
Der Rat “Landwirtschaft und Fischerei” wird sich in Brüssel treffen. Die jeweils zuständigen Minister der Mitgliedstaaten werden Themen im Bereich der Landwirtschaft und Fischerei diskutieren, wie Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierschutz und Pflanzengesundheit.
 
> 31. Juli – 11. August
Das COMECE-Büro in Brüssel bleibt geschlossen.
 
> 28. – 31. August
Die Ausschüsse des Europäischen Parlaments werden ihre Arbeit wiederaufnehmen, um die Gesetzgebungsarbeit für die Plenartagung des Parlaments vorzubereiten.

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